Um die Kunst des Strickens zu erlernen, fangen wir mal mit dem an, was uns in jeder Anleitung wärmstens ans Herz gelegt wird: Machen Sie eine Maschenprobe.
Eine Maschenprobe ist zwingend notwendig, um später ein passendes Strickstück zu erhalten. Denn jedes Garn ist anders, jeder strickt unterschiedlich fest und schließlich möchte man irgendwann auch den Damenpullover in Größe 40 in Händen halten und ihn nicht an die kleine Nichte mit Größe 128 verschenken müssen. Und das noch vor der ersten Wäsche.
In jeder Anleitung ist angegeben, wie viele Maschen und Reihen Sie auf 10 cm erzielen sollten. Weicht Ihre Maschen- und/oder Reihenzahl ab, müssen Sie eine kleinere oder größere Nadelstärke wählen. Haben Sie weniger Maschen, nehmen Sie eine kleinere Nadel, haben Sie mehr Maschen, wählen Sie eine größere Nadel.
Auch wenn es den Anschein haben mag, ein oder zwei Maschen oder Reihen Abweichung können doch gar nicht so viel ausmachen, rechnen wir doch einmal hoch: Nur eine Masche Abweichung auf 10 cm macht bei einer Maschenzahl von 120 schon etwa 2,5 cm aus. Nun noch Vorder- und Rückenteil flugs zusammengerechnet und schon beträgt der Unterschied etwa 5 cm und macht damit mehr als eine Konfektionsgröße aus!
Deshalb benötigt man eine Maschenprobe, um später die in der Anleitung angegebenen Mengen umrechnen zu können, bzw. bei frei gestalteten Werkstücken im Voraus zu wissen, welche Maße sich ergeben werden.
Machen wir also jetzt unsere erste Maschenprobe gemeinsam.
Hinweis: Alle gezeigten und erklärten Methoden sind immer nur eine von vielen. Alle einzeln an dieser Stelle aufzuführen, würde den Rahmen dieses kleinen Lehrgangs sprengen und den Übenden nur verwirren. Wir sind immer bemüht, Ihnen die einfachste, am leichtesten zu erlernende Methode zu zeigen. Scheuen Sie sich jedoch nicht, auch andere auszuprobieren.
Das Material
Wir benötigen für diese Übung:
- ein glattes, relativ fest verzwirntes Garn in der Nadelstärke 3 bis 4 mm
- Stricknadeln in Größe 3 bis 4 mm
Für ein bereits geplantes Werkstück benötigen wir:
- eine Anleitung
- Material nach Vorgabe, am besten die Originalqualität
- Stricknadeln in passender Stärke
Und ebenfalls brauchen wir:
- Schere
- Maßband
- stumpfe Nähnadel
- ein ruhiges, helles, bequemes Plätzchen und etwas Zeit.
Die Haltung
Rechtshänder halten den Faden üblicherweise in der linken Hand. Der Fadenanfang führt unter dem Ringfinger hindurch bis zum Zeigefinger und über diesen hinweg. Daumen und Mittelfinger halten das spätere Gestrick. Mit dem kleinen und dem Ringfinger hält man den Faden locker fest und achtet so auf eine gleichmäßige, aber nicht zu starke Spannung.
Der Faden, der über dem Zeigefinger liegt, wird nun einmal um diesen herum gewickelt. Sonst läuft das Garn evtl. zu locker und es gibt ein ungleichmäßiges, unschönes Maschenbild.
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Die richtige Haltung und Spannung muss jeder für sich selbst entdecken. Hier hilft nur ausprobieren und Übung. Möglich ist auch, den Faden durch die Finger zu weben oder zweimal um den Zeigefinger oder gar nicht zu wickeln.
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Linkshänder können es nun spiegelverkehrt machen. Wem das zu umständlich ist, der kann das Stricken auch wie ein Rechtshänder erlernen, da beide Hände sowieso mehr oder weniger stark involviert sind. Der Vorteil: Sie ersparen sich das mühsame Umdenken von Anleitungen, Mustern und der Strickhilfe von Rechtshändern.
Der Maschenanschlag
Nachdem wir den Faden richtig in der Hand halten, lassen wir einen Faden herunter hängen, der etwa 3 x so lang ist wie das Strickstück breit werden soll, also in unserem Fall etwa 40 bis 50 cm. Die Maschenprobe sollte immer mit 10 Maschen und Reihen größer gestrickt werden als angegeben, damit man die Randmaschen nicht in die Auszählung einbeziehen muss bzw. volle 10 cm zum Ausmessen hat, wenn man sehr fest strickt und mehr Maschen benötigt.
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Damit die erste Reihe nicht zu straff wird, schlagen wir die Maschen mit doppelter Nadel an. Schieben Sie die untere Nadel etwa einen Zentimeter zurück, dann verheddert sie sich nicht so leicht im Garn.
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Noch einmal zur Erinnerung: Der Fadenanfang führt unter dem Ringfinger hindurch bis zum Zeigefinger und über diesen hinweg. Wir nehmen das herunterhängende Ende des Fadens und wickeln es einmal von unten nach oben über den Daumen.
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Durch die vor dem Daumen entstehende Schlaufe führen wir nun die Nadeln von unten nach oben, holen uns von rechts (!) das Garn, ohne es um die Nadel zu wickeln, und ziehen es durch die Schlaufe.
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Dann lassen wir die Schlaufe vom Daumen gleiten und ziehen die Masche auf den Nadeln fest.
Dies wiederholen wir, bis wir die in der Maschenprobe angegebenen Maschenzahl + 10 erreicht haben.
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Die erste Reihe
Nun ziehen wir vorsichtig eine Nadel heraus.
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Gestrickt wird üblicherweise von rechts nach links. Auf der linken Nadel liegen die zu strickenden Maschen der Vorreihe und links wird auch der Faden gehalten. Die Nadel liegt dabei zwischen Daumen und Mittelfinger, die ersten Maschen etwa zwei Zentimeter von der Spitze weg und kurz dahinter fassen auch die Finger.
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Achten Sie bitte darauf, den richtigen Faden (den mit dem Knäuel) zum Stricken zu verwenden, denn sonst hat der Spaß schnell ein vorzeitiges Ende.
XXX Bild zur Erheiterung, wo der falsche Faden verwendet wurde (?) XXX
Der Faden liegt hinter der Arbeit. Nun stechen wir mit der zweiten Nadel von vorne links nach hinten rechts in die erste Masche, ziehen sie nicht zu weit auf (Faden stramm halten) und holen uns den Faden auf die zweite Nadel in der rechten Hand.
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Erst wenn die neue Masche sicher auf der Nadel sitzt, ziehen wir mit nach oben gerichteten Spitzen die Masche von der ersten Nadel und können sie ggf. mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand ein wenig unterstützen. Festziehen.
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Gut gemacht. Ihre erste rechte Masche ist fertig.
Und nun die nächste Masche. Von vorne links nach hinten rechts einstechen, Faden holen, durchziehen, sichern, alte Masche von der linken Nadel gleiten lassen, festziehen … usw. bis zur letzten Masche.
Die Rückreihe
Jetzt liegen alle Maschen auf der rechten Nadel. Wir wenden nun die Arbeit, indem wir die rechte Nadel in die linke Hand nehmen und die freie Nadel wieder in die rechte Hand.
XXX Bild – mit linken Maschen/Rückreihe zeigen! XXX
Upps … irgendwie sehen die Maschen von dieser Seite aber anders aus!
Keine Sorge, Sie haben alles richtig gemacht, das muss so sein.
Eine rechts gestrickte Masche sieht auf der Rückseite wie eine linke Masche aus und eine links gestrickte Masche auf der Rückseite wie eine rechte Masche. Verwirrend? Schauen Sie sich einmal ein möglichst handgestricktes Kleidungsstück an. Zum Beispiel einen Pullover. Drehen Sie ihn auf die Innenseite und Sie erkennen den Unterschied sofort. Ist er glatt rechts gestrickt, liegen alle Maschen auf der Außenseite wunderbar flach auf. Kleine Vs, die in Reihen ineinander übergehen. Auf der Innenseite hingegen befinden sich kleine, wellenartige Knötchen, die eine raue Oberfläche ergeben. Das sind linke Maschen. Hat der Pullover ein Strickmuster und Sie schauen einmal richtig hin, erkennen Sie, dass eigentlich das gesamte Muster nur aus linken und rechten Maschen besteht. Das vereinfacht die Sache doch schon wieder, oder?
XXX Bilderserie XXX
Kommen wir nun zu der Rückreihe und den linken Maschen, denn wir wollen ja für unser erstes Werkstück auf der Vorderseite ein Strickmuster haben, das man “glatt rechts” nennt.
Nun liegt der Faden VOR der Arbeit. Wir stechen mit der rechten Nadel unter dem Faden hindurch von rechts nach links in die Masche. Der Faden liegt nun rechts neben der rechten Nadel. Wir führen die rechte Nadel von links nach rechts ÜBER den Faden und holen ihn uns an die Masche heran.
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Jetzt wird es etwas kompliziert. Wir müssen den Faden nun zurück durch die Masche holen. Damit er uns aber nicht vorzeitig entfleucht, fassen wir mit dem rechten Daumen den bereits auf der rechten Nadel liegenden Teil der Masche und halten sie fest. Zumindest machen wir das solange, bis wir etwas mehr Übung haben.
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Achten Sie bitte darauf, dass die Maschen recht dicht an den Spitzen der Nadeln liegen, sonst wird der Weg zu lang. Aber bitte nicht fallen lassen. Dieses Muster erklären wir Ihnen später. (siehe Strickmuster)
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Wie gehabt die Masche etwas anziehen und gleich die nächste. Faden vor die Arbeit, von unten hinter dem Faden durch die Masche, Faden holen, durch die Masche auf die rechte Nadel ziehen, Faden anziehen, Faden vor die Arbeit … usw. bis zur letzten Masche.
Das Abketten
Haben wir die erforderliche Reihenzahl erreicht, müssen wir die Arbeit beenden und von den Nadeln bekommen, ohne dass uns die Maschen wieder aufgehen. Auch hier gibt es wie so oft verschiedene Möglichkeiten.
Eine gute Methode ist folgende: Um die Maschen abzuketten, halten wir sie wie gehabt auf der Nadel in der linken Hand. Vorzugsweise ist es eine Hinreihe. Wir stricken die erste Masche rechts und dann noch eine zweite.
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Nun ziehen wir mit Hilfe der linken Nadel die erste Masche über die zweite Masche, so dass nur noch eine Masche, und zwar die zweite, auf der rechten Nadel ist.
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Nun die nächste Masche rechts stricken und wieder die vorherige über die zuletzt abgestrickte Masche ziehen.
Durch die letzte abgestrickte Masche ziehen wir den auf ca. 10 – 15 cm Länge abgeschnittenen Faden und ziehen ihn fest. Fertig!
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Das Ergebnis
Da sich viele Garne nach dem Waschen noch verändern, müssen wir unser Werk noch waschen, etwas in Form ziehen und trocknen lassen. Nun können wir nachmessen und Maschen und Reihen auszählen.
Auch schauen wir uns unsere Arbeit kritisch an, ob wir mit dem Maschenbild zufrieden sind, ansonsten wiederholen wir das Ganze noch einmal mit größeren oder kleineren Nadeln. Sie erinnern sich? Zu viele Maschen – größere Nadel. Zu wenig Maschen – kleinere Nadel.
Unser Tipp: Die Maschenproben nicht wegwerfen, sondern sammeln. Aus ihnen lassen sich im Laufe der Zeit hübsche, bunte Kissenbezüge oder Decken nähen. Außerdem sparen Sie sich unter Umständen eine erneute Maschenprobe, wenn Sie das gleiche Garn mit dem gleichen Muster noch einmal stricken. Notieren Sie sich, mit welcher Nadelstärke Sie die Maschenprobe gestrickt haben.
Viel Spaß!

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